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Dr. Alexander Rácz
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Was ist mein Gemälde wert? So entsteht der Wert eines Bildes

Ein Bild aus dem Nachlass der Großeltern, ein Gemälde vom Flohmarkt oder ein Werk, das seit Jahrzehnten im Wohnzimmer hängt: Früher oder später stellt sich die Frage, was es wert ist. Die Antwort hängt von einer Handvoll Faktoren ab, die sich nachvollziehbar prüfen lassen. Dieser Ratgeber zeigt, welche das sind und was Sie selbst herausfinden können. Er erklärt auch, wann sich ein Gutachten lohnt.

Die erste Frage: Welchen Wert meinen Sie?

Bevor man über Zahlen spricht, lohnt sich ein Blick auf den Zweck, denn ein Gemälde hat je nach Anlass verschiedene Werte. Der Versicherungswert beschreibt, was es kosten würde, ein vergleichbares Werk wiederzubeschaffen. Er liegt meist höher als der Betrag, den man bei einem Verkauf erzielen würde. Der Marktwert ist der Preis, der sich unter normalen Umständen durchsetzen lässt, etwa über ein Auktionshaus oder eine Galerie. Für die Erbschaft- und Schenkungsteuer gilt der gemeine Wert nach dem Bewertungsgesetz, also der Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre. Wer den Zweck kennt, weiß also schon, welcher Wert gesucht ist.

Wer hat es gemalt?

Ein zentraler Faktor ist die Zuschreibung, also die Frage, von wem das Bild stammt. Eine Signatur ist dabei ein Hinweis, aber noch kein Beweis, denn Signaturen wurden auch nachträglich ergänzt oder nachgeahmt. Umgekehrt sind viele gute Gemälde gar nicht signiert. Ob ein Bild von einer bekannten Künstlerin oder einem bekannten Künstler, aus der Werkstatt, aus dem Umkreis oder von einem späteren Nachahmer stammt, kann den Wert vervielfachen oder auf einen Bruchteil senken. Deshalb vergleicht man Malweise, Material und Motiv mit gesicherten Werken und mit der Literatur, etwa einem Werkverzeichnis, wenn es eines gibt.

Original, Kopie oder Druck?

Nicht alles, was gerahmt und unter Glas hängt, ist gemalt. Hochwertige Kunstdrucke und Reproduktionen auf Leinwand sehen auf den ersten Blick wie Gemälde aus. Mit einer Lupe erkennt man bei Drucken oft ein gleichmäßiges Punkt- oder Linienraster, während ein Gemälde Pinselspuren, unterschiedlich dicken Farbauftrag und an den Rändern meist unbemalte oder anders bemalte Stellen zeigt. Auch bei gemalten Bildern stellt sich die Frage, ob es sich um ein Original oder um eine zeitgenössische Kopie handelt. Kopien nach berühmten Vorbildern waren über Jahrhunderte üblich und haben einen eigenen, meist deutlich geringeren Wert.

Zustand

Risse in der Malschicht, abgeplatzte Farbe, Löcher in der Leinwand, vergilbter Firnis oder großflächige Übermalungen mindern den Wert, manchmal erheblich. Eine fachgerechte Restaurierung kann einen Teil davon zurückgewinnen, eine unsachgemäße dagegen Schaden anrichten. Reinigen oder bessern Sie ein Bild deshalb nicht selbst aus, bevor es begutachtet ist. Auch ein Originalrahmen kann zum Wert beitragen und sollte nicht ohne Not getauscht werden.

Herkunft und Rückseite

Die Provenienz, also die Geschichte eines Bildes von Besitzer zu Besitzer, ist oft ebenso wichtig wie die Zuschreibung. Eine belegte Herkunft aus einer bekannten Sammlung oder eine frühere Ausstellung steigert das Vertrauen und damit den Preis. Wichtige Hinweise stehen häufig auf der Rückseite: Etiketten von Galerien, Auktionshäusern oder Ausstellungen, Stempel von Rahmenmachern und Leinwandhändlern, alte Inventarnummern oder handschriftliche Notizen. Werfen Sie nichts davon weg, auch wenn es unscheinbar aussieht. Bei Werken, die zwischen 1933 und 1945 den Besitzer gewechselt haben könnten, gehört außerdem die Prüfung dazu, ob sie als NS-Raubgut gemeldet sind, etwa in der Datenbank Lost Art des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste.

Motiv, Format und Entstehungszeit

Im Werk einzelner Künstlerinnen und Künstler unterscheiden sich die Preise deutlich. Ein typisches Motiv aus der Hauptschaffenszeit ist in der Regel gefragter als ein frühes Studienblatt oder eine späte Wiederholung. Auch Technik und Format spielen eine Rolle: Ein Ölgemälde erzielt meist mehr als ein Aquarell oder eine Zeichnung derselben Hand, und sehr große oder sehr kleine Formate finden weniger Käuferinnen und Käufer.

Was der Markt sagt

Am Ende entscheidet die Nachfrage. Einen Anhaltspunkt geben Ergebnisse vergleichbarer Werke bei Auktionen, die sich in Datenbanken wie artnet oder artprice recherchieren lassen. Dabei zählt der erzielte Zuschlag, während der Schätzpreis im Katalog nur eine Erwartung wiedergibt. Verglichen werden sollten Werke, die in Motiv, Größe, Technik und Zustand übereinstimmen. Ein Rekordpreis für ein Hauptwerk sagt wenig über ein kleines Blatt derselben Hand. Künstlerinnen und Künstler mit regionalem Schwerpunkt haben oft einen eigenen Markt, den man am besten mit Ortskenntnis einschätzt.

Was Sie selbst vorbereiten können

  • Fotografieren Sie das Bild von vorn und von hinten, bei Tageslicht und ohne Spiegelung, dazu Signatur, Etiketten und Beschriftungen im Detail.
  • Messen Sie Höhe und Breite des Bildes ohne Rahmen.
  • Sammeln Sie alles, was Sie über die Herkunft wissen: Rechnungen, Briefe, Erbscheine, alte Fotos, auf denen das Bild zu sehen ist, und Erinnerungen der Familie.
  • Lassen Sie das Bild unverändert, bis es begutachtet ist.

Wann sich ein Gutachten lohnt

Für einen ersten Eindruck reicht oft ein Gespräch mit Fotos. Ein schriftliches Gutachten ist dann sinnvoll, wenn eine Entscheidung davon abhängt: bei der Versicherung einer Sammlung, bei der Aufteilung eines Nachlasses unter Erben, gegenüber dem Finanzamt, vor einem Verkauf oder wenn ein Werk in eine Stiftung eingebracht werden soll. Ein Gutachten hält fest, was das Werk ist und wie es kunsthistorisch einzuordnen ist. Es beschreibt den Zustand und nennt den Wert für den jeweiligen Zweck, so begründet, dass Dritte es nachvollziehen können.

Wenn Sie wissen möchten, was Ihr Gemälde wert ist, schreiben Sie mir oder buchen Sie ein kostenfreies Erstgespräch. Mehr zu meinen Leistungen finden Sie unter Gutachten und, wenn es um eine ganze Sammlung geht, unter Sammlungen.